Reflektieren gehört zur Theaterpädagogik wie das Warm-Up und Theaterspielen. Lange habe ich die Kunst der anregenden Fragen und des Momente aufarbeitens unterschätzt. Erst im Studium ist mir bewusst geworden, an welche Schätze wir durch gezielte Fragen und in Bezug setzen mit soeben erlebtem entdecken können.
Was ist Reflexion eigentlich?
Reflexion (ja, das schreibt man tatsächlich mit x) ist das bewusste Auseinandersetzen mit inneren Prozessen beziehungsweise dem Zusammenspiel von äußerem und innerem Geschehen. Ein ständiges Spiel zwischen Erleben und Erfahrungen spiegeln. Das kann auf unterschiedlichsten Wegen geschehen. Der mittlerweile verbreitetste ist wahrscheinlich das Journaling. Dabei ist der Vorgang des Reflektierens essenziell für unsere persönliche Entwicklung und somit auch enorm wichtig im Kindesalter. Das können wir in unterschiedlichsten Formaten tun.

Was mir dabei immer wieder aufgefallen ist: Es geht nicht nur ums Reden. Es geht ums Verstehen und Begreifen. Und dafür braucht’s je nach Zielgruppe unterschiedliche Impulse. Dafür mag ich zum Beispiel etwas Haptisches sehr gerne. Etwas, das die Teilnehmer*innen greifen, betrachten, fühlen können und somit ins Nachdenken kommen. Eine kleine Erinnerungsstütze, damit man den anderen zuhören kann anstatt zwanghaft zu versuchen, die Fragen im Kopf zu behalten und sich schon Antworten zu überlegen. Ein weiterer Vorteil: Wir können diese Eckpfeiler unserer Reflexion visuell im Raum festhalten. Es lohnt sich also verdammt, in hochwertige, vielfältige und nachhaltige Reflexionsimpulse zu investieren. Ich habe mich für Mandala-Teile von Grapat entschieden und bin sehr happy damit.
Hier kommen nun ein paar Ideen zur Reflexion mit Mandalas:
W Ü H L E N & R E S O N I E R E N
Alles was es dafür braucht: ein Korb voll mit Figuren und Steinen in unterschiedlichen Formen und Farben. Jede*r darf sich das Objekt heraussuchen, das gerade am besten für ihn*sie passt. Gebt Euch einen Moment, um das Teil wahrzunehmen und Assoziationen dazu zu sammeln. Dann kann jede*r erzählen, warum die Wahl auf das Objekt fiel und wie es gerade zur eigenen Stimmung passt.
Passende Fragen:
Was hat Deine Aufmerksamkeit auf sich gezogen?
Welche Gemeinsamkeit haben Du und Dein Mandalaobjekt?
Was findest Du besonders schön daran?
Wie fühlst Du Dich, wenn Du Dein Teil betrachtest?
Warum hast Du Dich für diese Farbe entschieden?
Woran denkst Du bei der Form Deines Objektes?
Noch ein Vorteil: mit den Händen im Korb voller Mandalateile zu wühlen hat auch eine beruhigende Wirkung.
M I T A S S O Z I A T I O N E N S P I E L E N
Schau Dir die Objekte vor der Reflexion an und assoziiere aufgrund von Farbe, Form und Beschaffenheit. Formuliere dann entsprechende Fragen, die Du Deinen Teilnehmer*innen/der Gruppe zum Ende eines Workshops, einer Kursstunde oder eines Tages stellen kannst.
Meine Beispiele:
Honigwabe
rund, nährend, süß, Wärme
Was war ein besonders süßer Moment für Dich?
Wann hast Du Dich besonders genährt gefühlt?
Baum
nachhaltig, wachsen, grün, frische Luft
Was bleibt Dir nachhaltig in Erinnerung?
Was möchtest Du nachhaltig in Deinen (Arbeits)Alltag integrieren?
Pilz
wächst schnell, lustige Form, essen, Wald
Was hat bei Dir zu besonders schnellem Wachstum geführt?
Mit welcher Übung/Erfahrung bist Du über Dich hinaus gewachsen?
Spitze
in eine Richtung zeigen, spitze, oben, anzeigen
Was lief spitze?
Was war ein Spitzenmoment für Dich?

P O S I T I O N I E R E N
Manchmal ist es ja schön, ein Gesamtbild in den Raum zu stellen, das wir auch von außen draufhauen können. Markiert eine Linie auf dem Boden, ein Ende steht für „ja/Zustimmung“, das andere Ende für „nein/stimme nicht zu“. Jede Person sucht sich dann eine Figur aus. Auf geschlossene Fragen könnt Ihr nun Eure Figur auf der Skala von klarem Ja bis klarem Nein positionieren. Anschließend könnt Ihr Euch das Ergebnis anschauen und darüber ins Gespräch kommen. Das können ganz einfache Fragen sein wie „Bist Du heute gut ausgeruht?“ aber auch thematische Fragen, die Inhalte reflektieren. Diese Art der Reflexion nutze ich als Theaterpädagogin super gerne, um inhaltliches Verständnis von Schüler*innen nach einem Theaterbesuch sowie ihre ethische/politische Haltung zu den aufgezeigten Themen zu nutzen. Zum Beispiel:
Findest Du es fair, dass…?
Ist es Deiner Meinung nach vertretbar, dass…?
Bist Du zufrieden mit dem Ausgang der Geschichte?
Konntest Du der Story folgen?

G E M E I N S A M E I N B I L D L E G E N
Wenn Ihr genug Material habt (gerne ergänzt durch Naturmaterialien und Fundstücke wie Knöpfe, etc.), könnt Ihr auch gemeinsam ein Bild legen. Vielleicht hilft ein Bildtitel, das Werk thematisch auszurichten. Wie wäre es beispielsweise mit einem Bild zum Thema „unser gemeinsamer Tag“, „Gefühle“ oder „Das wünsche ich mir von dieser Woche“? Dabei darf das Bild ganz abstrakt oder ganz genau sein – oder alles dazwischen. Das Bild gemeinsam zu legen kann auch ein toller Prozess für Euch als Gruppe sein.
Wenn Ihr genug Material habt (gerne ergänzt durch Naturmaterialien und Fundstücke wie Knöpfe, etc.), könnt Ihr auch gemeinsam ein Bild legen. Vielleicht hilft ein Bildtitel, das Werk thematisch auszurichten. Wie wäre es beispielsweise mit einem Bild zum Thema „unser gemeinsamer Tag“, „Gefühle“ oder „Das wünsche ich mir von dieser Woche“? Dabei darf das Bild ganz abstrakt oder ganz genau sein – oder alles dazwischen. Das Bild gemeinsam zu legen kann auch ein toller Prozess für Euch als Gruppe sein.
Reflexion ist ein ziemlich großes Feld. Ob gemeinsam im (Familien)Alltag, in Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, als Teil kultureller oder pädagogischer Angebote – sie finden in sämtlichen Kontexten einen wertvollen Platz. Dabei ist niemand zu alt oder zu jung zum Reflektieren (Achtung: bei kleinen Kindern bitte mit den Mandela-Teilen aufpassen!). Es kommt nur auf die Fragen an. In einem weiteren Blogpost stelle ich Euch demnächst gerne eine Auswahl an Reflexionsfragen zur Verfügung.
Transparenz: Danke an Kinder begeistern für das großartige Material! Ich habe das Material kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, werde für diesen Blogpost aber nicht bezahlt. Die Mandala-Teile zeige ich Euch, weil ich komplett begeistert davon bin und sie gerne in meiner Arbeit verwende.
Erst einmal wünsche ich Dir aber viel Neugier zum Ausprobieren!
Alles Liebe,
Frederike
