Gefühle entdecken, ausdrücken und verstehen – Spielideen und Materialempfehlungen für Kinder

Was sind Gefühle? Wann hat man sie? Wie sehen Gefühle aus und was macht man überhaupt mit ihnen? Letztes Jahr habe ich genau das theaterpädagogisch mit Kindern aus Oldenburger Kitas in zwei Theaterprojekten erforscht. Aus dieser Arbeit sind nicht nur viele Erkenntnisse, sondern auch Methoden entsprungen, die ich unbedingt teilen möchte. Denn sich schon als Kind mit seinen Gefühlen auseinandersetzen zu dürfen, kann uns wertvolle Tools für unser gesamtes Leben geben.

Zugegeben, mit unseren Gefühlen können wir uns sicherlich alle mehr beschäftigen. Aber dieser Post richtet sich besonders an Pädagog*innen und alle, die mit Kindern arbeiten. Denn wenn wir uns schon im jungen Alter mit unserem Gefühlsleben beschäftigen, kann uns das für unser ganzes Leben stärken. Ganz wichtig dabei: alle Gefühle sind valide, es gibt keine „guten“ oder „schlechten“ Gefühle. Und das Schöne ist ja, sie gehen alle vorbei.

Ein paar Gedanken vorab

Ich nutze dabei gerne Metaphern, um die Komplexität kindgerecht aufzuzeigen.
Stell Dir einen Leuchtturm vor. Er dreht sich mit seinem Licht immer wieder um sich herum und erleuchtet immer nur kurz einen bestimmten Bereich. Es wird heller wenn sich das Licht nähert, dann leuchtet alles für eine Weile auf und das Licht zieht weiter. So ist das auch mit Gefühlen: sie kommen, werden wahrnehmbar und gehen auch von alleine wieder. Alle sind immer da, nur brauchen manchmal unterschiedlich viel Aufmerksamkeit. (All das kannst Du super mit einer Taschenlampe zeigen!)
Ein Leuchtturm lotst uns durch unbekannte Gewässer. Er gibt uns Orientierung, wenn wir uns selbst nicht so gut zurechtfinden. Je mehr wir unsere Gefühle kennenlernen, desto besser können wir ein Leuchtturm für andere werden und ihnen, wenn wir fühlen, Orientierung geben, unsere Bedürfnisse kommunizieren. Und solange unsere (kleinen) Mitmenschen ihre Gefühle nicht ganz verstehen, können wir als Bezugspersonen und Pädagog*innen der Leuchtturm sein, der ihnen hilft, ihr Meer der Gefühle Stück für Stück zu verstehen.

Was für mich hilfreich ist: manchen Kindern (und eigentlich auch Erwachsenen) fällt es schwer, über ihre eigenen Emotionen zu sprechen. Deswegen arbeite ich zu solchen Themen immer im Team mit Noa. Noa ist ein Kuscheltierfisch, der eine Stellvertreterrolle einnehmen kann. Einigen Kids fiel es leichter, Noa ihre Emotionen, Gedanken oder Bedürfnisse ins Ohr zu flüstern. So üben wir schon einmal, unsere Gefühle zu verbalisieren. Dann fällt es beim nächsten Mal auch leichter, das laut auszusprechen. Ein weiterer Vorteil von Noa: der Fisch kann für alle stehen! Statt „Was brauchst Du, wenn Du wütend bist?“ „Was könnte Noa helfen, wenn unser Fischlein wütend ist?“. Statt „Wie fühlst Du/wie fühlt Anna sich in dieser Situation? lieber „Wenn Noa in dieser Situation ist, was meint Ihr, welche Gefühle könnte unser Fisch dann fühlen?“ Natürlich muss das nicht Original Noa sein. Es kann auch eine beliebige andere Figur sein. Das bietet auch viel Spielraum für Rollenspiele und szenisches Forschen.

Farben finden

Super simpler Einstieg: Stellt einen Korb mit verschiedenfarbigen Holzscheiben in die Mitte. Nun darf sich jede*r eine Farbe aussuchen, die zur eigenen Stimmung passt. Dann tauscht Euch aus: warum diese Farbe? Was bedeutet diese Farbe gerade für Dich?
Wichtig: Hier geht es nicht um die „Psychologie der Farben“, sondern um individuelle Wahrnehmung und Assoziationen.

Landkarte der Gefühle

Ein ganz wunderbarer Weg, die eigenen Gefühle kennenzulernen und zuzuordnen, ist eine Gefühlslandkarte. Dafür braucht Ihr ein Papier (möglichst groß), bunte Holzscheiben oder Farben. Ein Kind legt sich auf das Blatt und die anderen malen seine Umrisse nach. Dann sammelt Ihr, welche Gefühle Ihr kennt. Bestimmt für jede Emotion eine Farbe und überlegt, wo im Körper Ihr diese fühlt. Manchmal können da Tätigkeiten (vor Wut die Fäuste ballen, Bauchweh vor Unsicherheit haben, vor Aufregung mit den Knien schlottern) helfen, einen Zugang zu finden. Legt dann die farbigen Scheiben/malt mit Farbe auf die entsprechenden Bereiche im Körperumriss auf dem Papier. Macht das mit mehreren Gefühlen (für den Anfang reichen auch 3-5) und tauscht Euch (auch bewegt) aus!

Schatzkiste der Bedürfnisse

Das ist das Tool, was ich wirklich immer dabei habe, wenn ich zu diesem Thema arbeite. Denn mit der Beschäftigung mit unseren Emotionen kommen wir oft auch näher an unsere Bedürfnisse. Diese kommunizieren zu können ist allerdings gar nicht so einfach. Deswegen handhaben wir das in Gruppen so: auf bunten Holzscheiben habe ich Piktogramme diverser Bedürfnisse gemalt. Wann immer eine Situation aufreibend ist oder am Ende einer gemeinsamen Einheit schauen wir uns die Bilder an und suchen heraus, was wir gerade brauchen. Nicht alles ist direkt umsetzbar, aber auch darüber kann man reden und Alternativen oder Kompromisse finden.

Stopptanz mit Gefühlen

Eine spielerische Variante um sich mit dem körperlichen Ausdruck unterschiedlicher Emotionen zu beschäftigen. Tanzt zu neutraler Musik durch den Raum. Bevor die Musik stoppt, sagt die Spielleitung ein Gefühl. Sobald die Musik pausiert, frieren alle ein indem sie das Gefühl darstellen. Zum Beispiel als Glücksstatue, eingefrorene Traurigkeit, etc. Spielt die Musik weiter, tanzen alle wieder weiter, bis ein neues Gefühl genannt wird und die Musik wieder stoppt.

emotionales Feuer, Wasser, Sturm

Ihr kennt sicherlich das Kinderspiel, Feuer, Wasser, Sturm. Wir ändern das jetzt ab! Statt Sonne, Eis, Sturm, Wasser, etc. nehmen wir Gefühle, die wir mit Tätigkeiten verbinden. Zum Beispiel vor Freude tanzen, sich ängstlich verstecken, vor Wut stampfen, … Das Umherlaufen wie bei Feuer habe ich einfach als Laufen benannt. Nun wird von der Spielleitung ganz durcheinander eins der gesammelten Gefühle nach dem anderen benannt und ihr führt die entsprechenden Aktionen aus. Wie schnell könnt Ihr zwischen den einzelnen Emotionen wechseln?

Standbilder: Gefühlsmonster bauen

Standbilder sind ein tolles Mittel, um Gefühle greifbar zu machen und verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten zu sammeln. Dafür baue ich am liebsten Gefühlsmonster (oder wertungsärmer: Gefühlswesen). Sucht Euch eine Emotion aus, die Ihr zeigen wollt. Für das Beispiel nehmen wir jetzt einfach mal Aufregung. Sammelt dann, woran man erkennt, dass jemand aufgeregt ist – zum Beispiel unruhige Hände, große Augen, hin- und hergehen, etc. Dann bilden einige von Euch eine Gruppe und stellen sich vor die anderen. Jede*r zeigt mindestens eine Eigenschaft und friert ein. Ihr könnt Euch ein Standbild vorstellen wie ein lebendiges Foto. Damit wir alles auf einen Blick erkennen können, kann nun jemand von außen die Gruppe zusammen arrangieren, damit Ihr ein Aufregungsmonster mit vielen Köpfen, Armen und Beinen habt.

Da es sich bei Gefühlen um etwas so wenig greifbares handelt, arbeite ich hier besonders gerne mit Material. Diese Beispiele habe ich wirklich auf Herz und Nieren getestet:
Buch: Die Freude springt aufs Trampolin von Tina Oziewicz
Buch & Spiel: Das Neinhorn von Marc-uwe Kling
Karten: Heute bin ich von Mies van Hout
Holzscheiben: von Grapat via kinderbegeistern.de
Film: Alles steht Kopf

Ich wünsche Euch ganz viel spaß beim Ausprobieren und spannende Erkenntnisse beim Ausprobieren. Auch wir Erwachsenen können da noch einiges lernen…

Alles Liebe,
Frederike

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