Wie Du und Deine Teilnehmer*innen gemeinsam Momente der Ruhe finden
Hui, diesen Blogbeitrag hab ich vor einigen Tagen angefangen zu schreiben. Jetzt, wo ich ihn fertigstelle könnte das Timing nicht besser sein, denn bei mir gab es wirklich knallermäßige Entwicklungen: Ab nächster Woche starte ich eine Weiterbildung zur Kinderyogalehrerin! Ich freue mich so sehr, all das, was ich mir bisher immer aus Theaterpädagogik, Yoga und Erfahrung zusammen erschlossen habe, noch viel fundierter verstehen, lernen und umsetzen zu können. Und mein Kopf sprudelt jetzt schon vor Ideen. Ein paar davon teile ich weiter unten mit Dir.
Zugegeben, gerade Theaterpädagogik ist dazu prädestiniert, Kinder ins Spiel und kreative Tun zu bringen. Da kann es ganz schön schnell ganz schön wuselig werden. Und wuselig ist oft wunderbar! Aber manchmal sorgt es eben auch dafür, dass wir einander nicht mehr so ganz zuhören können, dass der Fokus überall, nur nicht beieinander, geschweige denn bei sich selbst ist. Deshalb habe ich mir mit der Zeit einige Übungen in die gedankliche Toolbox gepackt, die uns wieder mehr in unsere Präsenz bringen.
Bewährt hat sich eine Mischung aus kleinen Ritualen und spontanen Übungen. In einem ganz bewussten Einstieg in die gemeinsame Zeit liegt durchaus ein Zauber, aber dies ist sicherlich nicht in jeder Gruppe, für jedes Angebot machbar.
Deswegen habe ich Dir ein paar Ideen zusammengestellt, die Du sowohl regelmäßig als auch spontan bei Bedarf anwenden kannst.
Der Kalimba lauschen
Die Kalimba ist ein echter Evergreen in meinen Kursen. Die Kids lieben es nicht nur, ihren Klängen zu lauschen, sondern auch selbst damit Musik zu machen. Genau das nutze ich! in der Regel bekommt jedes Mal ein anderes Kind die Kalimba unauffällig zugeschoben und beginnt zu spielen (und oft sind sie so darin versunken, weil sie das Instrument nicht so oft in den Händen halten und erst einmal Haptik und Klang erkunden). Nach und nach bekommen immer mehr Kinder davon mit und lauschen.
Hände reiben und auf den Körper legen
Ich liebe es, wenn Kinder schon früh Methoden lernen, sich selbst zu regulieren. Und eine fast schon so simple Methode ist Selbstberührung. Das können wir natürlich immer wieder üben, indem wir zwischendurch gemeinsam die Hände reiben und sie dort auf unseren Körper legen.
Aber ein kleines Spiel zur Körperwahrnehmung und dem Verständnis von Körperteilen kann auch nicht schaden, oder? Wie wäre es also mit „Alle Hände auf…“? Das Prinzip ist denkbar einfach. Alle reiben ihre Handflächen aneinander um Wärme entstehen zu lassen, während die Spielleitung sagt „Alle Hände auf [Körperteil]“. Alle legen ihre Hände auf ihre eigenen (!) auf benannten Körperpart, atmen für einen Moment durch und spüren nach. Wer möchte, kann sich auch gerne ein kleines bisschen massieren. Dann kann eine neue Runde gestartet werden. Optional können die Kinder auch selbst Körperteile benennen – nicht nur um selbst mitzubestimmen, sondern auch, um ein Gespür für sich selbst zu entwickeln, welche Berührung ihnen gut tut-
gegenseitig massieren
Auch ein Klassiker und für die meisten Kinder ein großer Genuss. Aber auch für die Kinder, die sich unwohl damit fühlen, massiert zu werden oder Massagen zu geben, kann es tolle, spannende Aufgaben geben: sie können die Massage-Geschichte erzählen, mit Instrumenten (Kalimba zum Beispiel) eine entspannte Hintergrundmusik spielen oder zur Massagegeschichte malen (auch eine gemalte Pizza kann toll sein – sie muss nicht immer auf den Rücken gelegt werden…). Massagen bieten sich natürlich super als gemeinsamer, entspannender Abschluss an. Aber wie wäre es, damit mal in die gemeinsame Zeit zu starten? So haben alle Zeit um anzukommen und Ihr könnt viel entspannter durch die Stunde gehen.
Meine Lieblingsmassage-Themen bzw. Geschichten: Pizza backen, Waschstraße oder die Geschichte vom dicken Bär, der durch den Wald stapft. Im Internet lassen sich ganz tolle Ideen finden – oder eben zusammen mit den Kids! 😉
Bedürfnisschatzkiste
Darüber habe ich schon mal in diesem Blog Post geschrieben. Das kannst Du entweder genau so nutzen wie dort beschrieben nutzen – oder Du machst eine Bedürfnisschatzkiste speziell mit Euren Gruppenritualen, den bewährten Übungen, Spielen, Methoden, Materialien, etc. Nach einer Pause, gegen Ende oder zu Beginn kannst Du die Holzscheiben/Kärtchen ausbreiten und die Kinder selbst wählen lassen, was sie gerade brauchen (und vielleicht sogar Kompromisse finden). So könnt Ihr in Kontakt mit Euren Bedürfnissen kommen, gemeinsam darüber sprechen und alle können den Verlauf Eurer Zeit zusammen mitgestalten.
Schnuppern und tief durchatmen
Manchmal darf es auch ganz einfach sein: tief durchatmen! Das kann schnell viel bewirken, ist aber oft leichter gesagt als getan. Im Kreis lasse ich ein Fläschchen ätherisches Öl herumgehen, an dem die Kinder nacheinander einmal kräftig schnuppern (wir sprechen vorher natürlich darüber, wie wir das sicher ausführen können). Das bringt gleich drei Vorteile mit sich: nicht nur, dass alle einmal bewusst durchatmen um den Duft zu inhalieren, das Öl wirkt natürlich auch noch (ich liebe dafür Lavendel oder spezielle, verdünnte Kindermischungen) und auch motorisch fordert das Weitergeben des kleinen offenen Fläschchens einige Aufmerksamkeit, die oft in langsamen, bewussten Handlungen resultieren.
DIY Schnupperdose
Mit Kindern, denen regelmäßige bewusste Atemzüge besonders gut tun, bastle ich gerne eine kleine Schnupperdose. Eine kleine Dose (ich sammle dafür immer Matche-Dosen, aber leere Gefäße von Klammern, Gewürzen o.ä.) wird vom Kind bunt beklebt oder anderweitig gestaltet. Danach schneidet Ihr eine einfache Form (Herz, Blume, …) aus ganz normalem Bastelfilz aus und beträufelt es mit ein paar Tropfen des Lieblingöls. In der Dose aufbewahrt hält der Duft eine ganze Weile. Bei Bedarf immer wieder das Gefäß öffnen und kurz schnuppern, äh tief durchatmen.
Ich wünsche Dir und den Kids super viel Spaß und eine bewusste Zeit beim Ausprobieren. Lass uns gerne auf Instagram dazu austauschen – ich freue mich immer auf Feedback und ein paar liebe gewechselte Worte! Du findest mich dort unter @fredistroeer
Alles Liebe für Dich,
Fredi
