Am Anfang war der Atem – oder warum ich eine regelmäßige Atempraxis als Basis allen Stimmtrainings sehe

Der Atem ist so viel, aber vor allem die Basis Deiner Stimme. Denn die Ausatmung ist es, die durch Deine Stimmlippen in Schwingung versetzt und so zum Klingen gebracht wird. Und gleichzeitig ist Dein Atem der Flüsterer Deines Nervensystems und hat damit gleich auf zwei Wegen großen Einfluss auf Deine Stimmbildung. Denn wir es Dir geht, wie Deine Stimmung ist, steuert letztlich auch Deine Stimme.

Die Stimme und das Nervensystem

Eins vorweg. Auch wenn wir es in der Evolution schon relativ weit geschafft haben – unser „System“ ist noch in der Steinzeit stecken geblieben. Es kennt nur zwei Modi: den Sympathikus (Fight, flight or freeze – unsere Alarmbereitschaft quasi) und den Parasympathikus (Rest & digest – unser Ruhemodus).

Gerade bei Aufregung oder wenn wir „abliefern“ müssen, aber in der Regel auch, wenn wir einfach arbeiten, sind wir im ersten Modus. Das hat auch Vorteile: wir sind aufnahmefähig, klar im Kopf, stehen unter Adrenalin. Aber für die Stimme eben auch ein paar Nachteile, so sind beispielsweise der Muskeltonus und die Atemfrequenz erhöht. Und das sorgt wiederum für mehr Druck auf der Stimme (aka Anspannung im Sprechapparat die mit mehr Luftfluss auszugleichen versucht wird). Das klingt nicht nur gestresst und kostet viel Kraft, es klingt auch viel weniger und ermüdet auch schnell.

Dementsprechend ist es mega wertvoll, wenn Du immer wieder bewusst in den parasympathischen Modus wechselst um Deiner Stimme Entspannung zu gönnen, aber auch in beruflichen Situationen die Ruhe bewahren kannst.

Ein simpler und alltagstauglicher Weg, den Parasympathikus zu aktivieren, ist Breathwork.

Ganz einfach runtergebrochen gilt:
Fokus auf der Ausatmung/verlängerte Ausatmung wirkt entspannend,
Fokus auf der Einatmung wirkt anregend.

Mithilfe verschiedener Atemtechniken, wie beispielsweise der 4:7-Atmung, dem Wu-Tönen oder schlichtweg der Ausatmung auf /f/ oder /s/, Brahmari (Bienenatmung) oder physiologischem Seufzen kannst Du Deinen Körper und Geist beruhigen. Je regelmäßiger Du das übst, desto leichter fällt es Dir mit der Zeit, in die Entspannung zu kommen. Je mehr Übung Du darin hast, desto einfacher wird es für Dich also auch, in Situationen der Anspannung wieder ruhiger zu werden. (Auch super für’s Selbstbewusstsein btw!)

Natürlich gibt es auch andere Wege, Dich zu entspannen: Yoga, Yoga Nidra, Meditation, Achtsamkeit, etc. In meinem Repertoire sind sie unabdingbar! Aber Breathwork hat einen entscheidenden Vorteil: Du trainierst Dein Atemvolumen und vor allem einen stabilen Luftfluss! Eine gleichmäßige, lange Ausatmung ist sozusagen der ideale Rohstoff Deiner Stimme.

Entspannung, Ruhe, Atemvolumen und Luftfluss – alles kannst Du trainieren. Und wie im Sport ist es auch hier so, dass mit regelmäßiger Übung schnell Erfolge einsetzen. Und mit Breathwork hast Du gleich zwei auf einen Streich! 😉

Fun Fact: Stimme und Parasympathikus bedingen sich sogar gegenseitig! Durch entspanntes Tönen und Summen kannst Du auch Deinen Vagusnerv stimulieren und somit Deinen „Ruhemodus“ aktivieren.

Wenn Du jetzt nicht weißt, wo und wie Du anfangen sollst: I’ve got your back! In meinem 1:1-Präsenztraining powerfully present etablieren wir eine kleine Atemroutine, die Du während unserer Zusammenarbeit regelmäßig übst. Mein Workshop Re-connect to your voice beginnt mit einer Yoga-Einheit für Deine Atem- und Resonanzräume, gefolgt von einer Breathwork-Sequenz, um Dich optimal auf das darauffolgende Stimmtraining vorzubereiten.

Wie bei allem gilt: in Häppchen auf’s Treppchen! Wenn Du mit einer Atemübung anfängst und sie 3 mal pro Woche übst, ist das schon ein guter Anfang! Der Weg zu mehr Präsenz geht Dein Leben Lang, es lohnt sich also kaum, einen Sprint hinzulegen und danach erschöpft zu sein. 😉

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Deine Frederike

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