Im Yoga befassen wir uns mit unserem Geist, Körper und Atem. Warum also nicht auch mit der Stimme? Schließlich ist sie eine Kombination aus Körper und Atem. Für mich ist es also nur logisch, unser Sprechwerkzeug auch mit in die physische Praxis zu nehmen. Dieser Beitrag soll Dir ein paar erste Ansatzpunkte geben.
Doch fangen wir erst einmal von vorne an: Was ist eigentlich Stimme? Ganz einfach gesagt:
Stimme ist in Schwingung versetzte Ausatmung.
Die Schwingung entsteht durch die Bewegung der Stimmlippen (Stimmbänder), die eigentlich auch nichts anderes als ein Muskel sind. Und andere Muskeln sprechen wir ja auch mit unserer physischen Praxis an, oder?
Die Sache ist nur die: Gerade in unserem Kehlkopf ist es wichtig, entspannt zu sein. Sonst können die Stimmlippen nich frei schwingen und die Stimme klingt gepresst, fest, knarzig oder unter Druck. Wollen wir ja lieber nicht, oder?
Deswegen lass uns am Anfang erst einmal darauf achten, dass Deine Nacken-Halspartie (die fasst ja schließlich den Kehlkopf ein) locker und entspannt sind während der Übungen. Oft ist unsere Stimme tatsächlich auch ein guter Anzeiger, wie entspannt Du gerade in einer Yogahaltung bist. Ist Dein Hals fest? Kannst Du entspannt ein- und vor allem ausatmen? Wie viel Raum bekommt Deine Atmung gerade? Deswegen lasse ich neue Yogi*nis super gerne immer und immer wieder mit den Lippen flattern oder seufzen. Und da sind wir auch schon bei den ersten Impulsen
Lippen flattern
Lass die Luft immer wieder mal durch Deine geschlossenen Lippen ausströmen. Wenn Du Dich damit wohl fühlst, kannst Du später auch die Stimme mitnehmen. Also fast, als würdest Du brabbeln wie ein kleines Kind. Das tut sowohl in Standhaltungen als auch in Vorbeugen besonders gut – und durch die Vibration des Lippenflatterns lockerst Du gleich noch Deinen Stimmapparat!
Seufzen
Kannst Du gar nicht oft genug tun! Seufzen mit offenem oder geschlossenem Mund, mit oder ohne Stimme. Entspannt und lässt alte Luft raus. Das mache ich am liebsten, wenn ich meine Schultern noch einmal bewusst nach unten schmelzen lasse oder aus dem Stand in die Vorbeuge fließe. So wohltuend!
Gähnen, tönen, quietschen, miauen
Gerade am Anfang der Yogastunde so, so wunderbar! Probier mal aus, in einem freien Cat-Cow-Flow einfach bewusst auszuatmen und zu schauen, was Deine Stimme für Geräusche zulässt. Alles ist erlaubt, solange es sanft und ohne Druck ist. Du wirst überrascht sein, welche Töne Du so entstehen lassen kannst und holst Deine Stimme so bewusst in Deinen Körper.
Summen
Wenn Du an einem Punkt in Deiner Asanapraxis bist, an dem Du sanft fließt und einen ruhigen Atem hast, versuch doch mal, auf „w“ oder „m“ oder ein weiches „s“ (wie beim Summen einer Biene) auszuatmen. Wie fühlt sich das an, wenn Du die Stimme mit dem Körper mitnimmst? Wie verändert sich Dein Klang mit der Bewegung?
Mitsingen
So ein bisschen wie in der Dusche, aber viel schöner: mach Dir eine Playlist mit Liedern an, die Du entspannt und ohne viel Konzentration mitsingen kannst. Fließe wie gewohnt durch Deinen Asanas und immer wenn Dir danach ist, singst Du einfach in Bewegung mit. Glaub mir, das macht so Spaß und befreit. Ich verlinke Dir hier einmal meine Mitsing-Playlist, vielleicht gibt sie Dir ja einen Impuls. 🙂
Probier’s einfach alles aus. Vielleicht liegt Dir das Eine mehr, das andere weniger. Und das ist vollkommen okay! Wichtig ist, dass Du es langsam angehst. so, wie Du Deinen Körper an Training gewöhnst, gib auch Deiner Stimme Zeit, sich darauf einzulassen. Wir schenken ihr nämlich in der Regel viel zu selten Aufmerksamkeit und sind dann verwundert, wenn sie es nicht allzu gut findet, auf einmal allen Fokus zu bekommen. Also mach lieber immer wieder Pausen und finde heraus, was sich für Dich jetzt gerade gut anfühlt.
Um das zu differenzieren kannst Du ja einmal ausprobieren, einen (!) der oben genannten Impulse mit einer bestimmten Haltung zu verknüpfen und Dich erst einmal nur darauf fokussieren. Beispielsweise immer, wenn Du in die Vorbeuge gehst, lässt Du Deine Stimme in einem Seufzen mitfließen.
Wenn Du Dir gerade so absolut gar nichts darunter vorstellen kannst oder Dir etwas Begleitung dabei wünschst, schau mal hier. Ich habe nämlich ein Video für Dich, in dem ich Dich durch einen authentic voice flow leite.
Viel Spaß beim Stimme entdecken!
Deine Fredi
